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    Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
    Abb. 1: Magnetogramm mit interpretierender Umzeichnung. Dynamik ±6 nT in 256 Graustufen, Messpunktdichte 12,5 x 50 cm (interpoliert auf 12,5 x 25 cm). Luftbild und Geobasisdaten: © Bayerische Vermessungsverwaltung (www.geodaten.bayern.de).

    Sondagegrabung 2013

    Im September–Oktober 2013 wurden zwei der quadratischen magnetischen Anomalien in einer dreiwöchigen Testgrabung sondiert (Abb. 1). Die Deutung als Grubenhäuser und die spätneolithische Zeitstellung konnten bestätigt werden. Beide Hausbefunde erbrachten sehr reichhaltiges Fundmaterial, wobei besonders die große Anzahl und gute Erhaltung von Knochengeräten hervorzuheben ist.

    Weitere Informationen zur Forschungsgeschichte und zum Projekt Burgerroth

    Durch das Zentrum beider Befunde wurde ein Streifen von jeweils einem Meter Breite gelegt. Um eine spätere Erweiterung dieser Sondagen zu einem Kreuzschnitt im selben Grabungsraster zu ermöglichen, wurden die beiden Schnitthälften in der Mitte um einen Meter gegeneinander versetzt.

    Abb. 2: Fotogrammetrie Fläche 1, Planum 3. Magnetogramm mit Umzeichnung des Grubenhauses, Dynamik ±10 nT in 256 Graustufen, Messpunktdichte 12,5 x 50 cm (interpoliert auf 12,5 x 25 cm).

    Neolithische Grubenhäuser

    Die Grabungsergebnisse beider Flächen decken sich sehr gut mit den magnetischen Anomalien (Abb. 2) und bestätigen deren Deutung als neolithische Grubenhäuser. Außerhalb der Befunde wurde bereits ca. 20 cm unter der heutigen Ackeroberfläche der anstehende Muschelkalk angetroffen (Abb. 2). In diesen sind die Grubenhäuser weitere 30–40 cm eingetieft. Ihre Verfüllung ist stark mit Steinen durchsetzt, darunter in den oberen Bereichen auch größere Muschelkalk-Platten, die offenbar vom Pflug aus dem Grubenrand gelöst und verlagert wurden (Abb. 2, nördlicher Rand des Befunds). Der Südosten von Fläche 1 ist zudem teilweise durch einen ehemaligen Feldweg gestört. Bei beiden Häusern sind deutlich zwei Füllschichten zu unterscheiden, wobei sich besonders die jeweils untere als ausgesprochen fundreich erwies. Die Grubensohle verläuft grob waagerecht und zieht zu den Rändern muldenförmig hoch. Im Zentrum beider Häuser fand sich eine um 10–20 cm weiter eingetiefte Mittelgrube – ein charakteristisches, auch von anderen Fundorten bekanntes Merkmal spät- und endneolithischer Grubenhäuser.

    Fundmaterial

    Abb. 3: Funde aus der Sondagegrabung 2013. Keramik (1–3), Silexpfeilspitze (4), Geweihzwischenfutter (5), Kochengeräte: Pfrieme (6), Meißel bzw. Beitel (7) sowie Beile (8–9).

    Menge und Qualität des geborgenen Fundmaterials übertrafen alle Erwartungen, wobei besonders die exzellente Erhaltung des Knochenmaterials hervorzuheben ist. Bemerkenswert sind vor allem die zahlreichen Werkzeuge aus Knochen und Geweih (Abb. 3, 5–9) – eine Gerätegattung, die an vielen anderen Fundorten aufgrund ungünstiger Erhaltungsbedingungen gänzlich fehlt. Neben einigen Zwischenfuttern und Handfassungen aus Geweih treten zahlreiche Meißel bzw. Beitel (Abb. 3, 7) sowie kleine Beile (Abb. 3, 8–9) aus Knochen auf. Dominiert wird das Gerätespektrum aber von pfriemartigen Knochengeräten mit einer zugeschliffenen Spitze, die in Anbetracht ihrer großen Zahl am ehesten als Zähne von Hecheln gedeutet werden können, wie sie z. B. bei der Verarbeitung von Textilfasern eingesetzt werden. In auffälligem Gegensatz zur Häufigkeit der Knochen- und Geweihartefakte steht die geringe Zahl der Silex- und Felsgesteingeräte. Neben einigen Mahlsteinfragmenten sind hier zwei trianguläre Silexpfeilspitzen (Abb. 3, 4) zu erwähnen. Die Keramik ist von relativ grober Machart und meist stark mit Quarz- oder Kalksteingrus gemagert. Sie bleibt überwiegend unverziert. Lediglich Aufrauhung der Gefäßwandung durch Mattenabdrücke, Besenstrich oder Schlickauftrag ist häufig zu beobachten (Abb. 3, 3). Hinzu treten gelegentlich plastische Applikationen wie Knubben oder mit Fingertupfen dekorierte Leisten (Abb. 3, 1–2).

    Archäobotanische Großrestanalysen

    Integraler Bestandteil der Grabungen in Burgerroth sind archäobotanische Großrestanalysen. Erste Untersuchungen von Proben aus den Grubenhäusern lieferten Reste verkohlter Kulturpflanzen, Ackerunkräuter sowie Sammelpflanzen und zeigen das große Potential des Fundplatzes für eine Region und Zeit, aus der bislang kaum Informationen zu Landwirtschaft und Umwelt vorliegen.
    Da Kulturpflanzenspektren ermöglichen, kulturelle Einflüsse im Neolithikum aufzuzeigen, bietet sich hier ein Vergleich mit archäobotanischen Ergebnissen aus zeitgleichen Siedlungen, v.a. den Feuchtbodensiedlungen der Goldberg III-Gruppe und Schnurkeramik Südwestdeutschlands förmlich an (vgl. C. Herbig, Recent archaeobotanical investigations into the range and abundance of Neolithic crop plants in settlements around Lake Constance and in Upper Swabia (south-west Germany) in relation to cultural influences, J. Arch. Science 36, 2009, 1277-1285).

    C. Herbig

    Datierung

    Das Fundmaterial bestätigt die Einordnung in das Spät- bzw. Endneolithikum. An Getreidekörnern aus der Verfüllung der beiden Grubenhäuser konnte jeweils eine C14-Datierung vorgenommen werden (Abb. 4). Für Fläche 1 ergab diese ein kalibriertes Datum von 2568–2346 cal BC (95,4% Wahrscheinlichkeit; unkalibriert 3950±30bp), für Fläche 2 von 2666–2476 cal BC (90,9% Wahrscheinlichkeit; unkalibriert 4050±30bp). Beide Daten sind bemerkenswert jung und fallen bereits in das Endneolithikum. Daraus ergibt sich für die zukünftigen Untersuchungen in Burgerroth die spannende Frage, inwiefern hier ein zeitliches Nebeneinander von Kulturgruppen mit spätneolithischer Tradition und den endneolithischen Becherkulturen fassbar wird.

    Abb. 4: Radiokarbon-Datierungen der beiden sondierten Grubenhäuser. Kalibration mit OxCal v4.2.3 (http://c14.arch.ox.ac.uk).

    Die Grabung wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von Manfred Neeser und Ludwig Kinzinger, Burgerroth, wofür beiden herzlich gedankt sei.

    Ansprechpartner:

    Dr. Thomas Link
    Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
    Institut für Altertumswissenschaften
    Julius-Maximilians-Universität Würzburg
    Residenzplatz 2, Tor A
    D-97070 Würzburg
    Tel. 0931/31-82869
    thomas.link(at)uni-wuerzburg.de

     

    Archäobotanik:

    Dr. Christoph Herbig
    Am Dorf 12
    D-63517 Rodenbach
    Tel: 06184/990958
    herbig.archaeobot(at)gmx.de

    Kontakt

    Lehrstuhl für vor- und frühgeschichtliche Archäologie
    Residenzplatz 2, Tor A
    97070 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-82801
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