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    Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
    Abb. 1: Magnetogramm mit interpretierender Umzeichnung und Lage der Grabungsflächen. Luftbild © Bayerische Vermessungsverwaltung (www.geodaten.bayern.de).

    Grabung 2014

    Im September 2014 wurde in einer vierwöchigen Lehrgrabung das 2012/13 durch Magnetometerprospektionen neu entdeckte Grabenwerk sondiert. Die Untersuchungsfläche liegt in einem Bereich, in dem sich, nach dem Magnetogramm zu urteilen, mindestens zwei Gräben überlagern (Abb. 1). Ziel der Grabung war es, die stratigraphische Relation der Grabenbefunde und ihre Zeitstellung zu überprüfen.

    Die 14 x 6 m große Grabungsfläche wurde in 2 x 3 m messende Segmente unterteilt, die alternierend ausgegraben wurden; dadurch konnten sowohl ein durchgehendes Längsprofil als auch insgesamt acht Querprofile in Abständen von 2 m dokumentiert werden.

     

    Abb. 2: Fotogrammetrie Planum 2.
    Abb. 3: Fotogrammetrie Querprofil 10.
    Abb. 4: Skelett in situ (Bef. 29).

    Die Grabenanlage

    Wie die Grubenhäuser der Grabung 2013 wurde der Graben in den anstehenden Muschelkalk eingetieft und erreicht eine Tiefe von maximal 80 cm unter der heutigen Ackeroberfläche. Seine Breite liegt bei 2,5–3,5 m.

    Die Stratigraphie der Grabenanlage erwies sich als relativ komplex und gab mindestens drei sich überlagernde Phasen zu erkennen. Vieles spricht dafür, dass auf den ersten Graben eine weitere neolithische Grabenphase folgt. Auffällig ist eine ca. 2 m breite Steinkonzentration, die auf die Mitte des Grabens beschränkt bleibt, wogegen seine Seiten weitgehend steinfrei sind (Abb. 2). Im Profil zeigt sich, dass die Steinpackung auch nicht bis auf die Grabensohle hinab reicht (Abb. 3). Eisenzeitliche Scherben aus dieser oberen Schicht deuten an, dass der Graben nach seiner Nutzung zunächst längere Zeit offen stand oder evtl. auch nochmals ausgeräumt und erst lange nach der neolithischen Nutzungsphase intentionell mit Steinen zugesetzt wurde.

    Der neolithische Graben wies ursprünglich zwei jeweils ca. 2 m breite Durchlässe auf, die erst durch eine spätere Ausräumungsphase teilweise abgetragen wurden. Im Bereich eines dieser Durchlässe lag ein Skelett in gestreckter, leicht seitlich verkippter Rückenlage quer im Graben (Abb. 4). Es ist der oberen Verfüllungsschicht zuzuweisen und wurde unmittelbar von der Steinsetzung überdeckt. Eine Grabgrube war nicht erkennbar. Nur ca. 50–80 cm entfernt fanden sich frühlatènezeitliche Scherben, die zwar nicht eindeutig als Beigaben anzusprechen sind, aber auf jeden Fall aus demselben stratigraphischen Kontext wie das Skelett stammen.

     

    Abb. 5: Fundmaterial: Keramik mit Mattenrauhung und Kerbleisten sowie Bandhenkel, Geweihgeräte (Hacke, Zwischenfutter), Knochen-Doppelspitze.

    Das Fundmaterial

    Die unteren Füllschichten enthalten spätneolithisches Material. Häufig ist Mattenrauhung vertreten, in einigen Fällen kombiniert mit Kerbleisten (Abb. 5). Parallelen hierzu finden sich in den Kulturguppen Goldberg III, Cham und Wartberg. Schnurkeramische Bezüge lassen sich dagegen, anders als bei den 2013 sondierten Grubenhäusern, nicht namhaft machen.

    Die Knochengeräte sind im Vergleich zu den Grubenhäusern weniger zahlreich. Eine vollständige Doppelspitze ist ein exzeptionelles Stück. Die Zahl der Geweihartefakte ist dagegen auffällig hoch. Darunter befinden sich neben zahlreichen Geweihsprossen mit teils starken Abnutzungsspuren auch eine Geweihhacke mit rechteckigem Schaftloch sowie mehrere Zwischenfutter, eines davon vollständig erhalten (Abb. 5).

     

    Radiokarbon-Datierung

    An Getreidekörnern aus der Grabenverfüllung konnten drei C14-Datierungen vorgenommen werden (Abb. 4). Zwei der Daten fallen kalibriert in die Mitte des 3. Jahrtausends (Erl-20204: 2640–2469 cal BC, 88,8% Wahrscheinlichkeit, unkalibriert 4036±39 bp; Erl-20206: 2867–2566 cal BC, 91,6% Wahrscheinlichkeit, unkalibriert 4098±40 bp). Wie bereits bei den Daten aus den Grubenhäusern ist die für den spätneolithischen Kulturkontext sehr junge Zeitstellung bemerkenswert, die eine Parallelität zur beginnenden Schnurkeramik vermuten lässt.

    Das dritte C14-Datum dagegen datiert deutlich älter in die Zeit des Jungneolithikums (Erl-20205: 3762–3629 / 3579–3534 cal BC, 95,4% Wahrscheinlichkeit, unkalibriert 4871±43 bp). Naheliegend erscheint zunächst, dieses „zu alte“ Datum durch Einmischung älteren Materials zu erklären. Da es jedoch aus den oberen Plana eines randlichen Bereichs des Grabens mit sichtlich dunklerer Verfüllung (Bef. 21) stammt, der zumindest von der jüngeren Grabenphase (Bef. 1 bzw. 23) geschnitten wird, ist nicht ausgeschlossen, dass hier tatsächlich der letzte Rest eines jungneolithischen Befundes aus der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends erfasst wurde. Über die Deutung dieses Befunds lassen sich aber keine sicheren Aussagen mehr treffen, es kann sich um eine Siedlungsgrube oder um eine älteste Vorgängeranlage des Grabenwerks handeln, die nur noch punktuell erhalten ist.

     

    Abb. 6: Radiokarbon-Datierungen der Grabungen 2013 (Beta-372689, -372690) und 2014 (Erl-20204 bis -20206) sowie der Altgrabung (Fra-86: Spennemann 1984, 36 f.). Kalibration mit OxCal v4.2.3 (http://c14.arch.ox.ac.uk).

    Ausblick

    Mindestens drei Phasen der Grabenanlage konnten sicher belegt werden. Es verblieben jedoch einige Unsicherheiten bezüglich der stratigraphischen Abfolge und chronologischen Einordnung der einzelnen Grabenbefunde. 2015 sollen die noch offenen Fragen durch weitere Untersuchungen des Grabenkomplexes an einer Stelle, an der die Gräben nebeneinander liegen, geklärt werden.

     

    Die Grabung wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von Manfred Neeser und Ludwig Kinzinger, Burgerroth, wofür beiden herzlich gedankt sei.

    Ansprechpartner:

    Dr. Thomas Link
    Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
    Institut für Altertumswissenschaften
    Julius-Maximilians-Universität Würzburg
    Residenzplatz 2, Tor A
    D-97070 Würzburg
    Tel. 0931/31-82869
    thomas.link(at)uni-wuerzburg.de

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