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    Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie

    Die spät-/endneolithische Siedlung auf dem "Alten Berg" bei Burgerroth

    Abb. 1: Der „Alte Berg“ bei Burgerroth auf der Topographischen Karte 1:25.000 (© Bayerische Vermessungsverwaltung www.geodaten.bayern.de)

    Der Alte Berg bei Burgerroth (Stadt Aub, Lkr. Würzburg) ist seit langem in der Forschung zum Spätneolithikum Süddeutschlands bekannt. Es handelt sich um eine Höhensiedlung auf einem an drei Seiten steil ins Tal der Gollach, eines Zuflusses der Tauber, abfallenden Sporn eines Muschelkalkplateaus (Abb. 1). An prominenter Stelle erhebt sich die romanische Kunigundenkapelle (Menth 1985, Abb. 2), in deren Umfeld eine umfangreiche Bebauung vorliegt, die mindestens bis ins 11. Jahrhundert zurück reicht. Zur mittelalterlichen Besiedlung gehört auch ein noch heute als flache Erhebung im Gelände sichtbarer Wall.

    Große Teile des Bergsporns wurden leider schon Anfang des 20. Jahrhunderts durch Steinbrüche unbeobachtet zerstört. In den Jahren 1919–1921 konnte Josef Maurer in fünf Grabungskampagnen große Flächen im Umfeld der Kunigundenkapelle untersuchen. 1969 wurde bei Steinbrucharbeiten ein offenbar neolithischer Graben angeschnitten (Spennemann 1984, 36 f.), dessen Verlauf allerdings unklar blieb. Aus seiner oberen Verfüllung stammt ein Radiocarbondatum von 4040±100 bp = 2880–2306 cal BC (2σ). Die Funde der Altgrabungen legte Dirk Spennemann im Rahmen seiner 1984 veröffentlichten Magisterarbeit vor. Aufgrund der sehr spärlichen Dokumentation der Altgrabung mussten dabei allerdings zahlreiche Fragen, vor allem hinsichtlich der Befundsituation, offenbleiben. Auch die Lage der Grabungsflächen lässt sich leider nicht mehr genau lokalisieren.

    Überregionale Bedeutung kommt dem Fundort vor allem wegen des in Süddeutschland außerhalb der Feuchtbodensiedlungen generell sehr seltenen Auftretens von Baubefunden aus der Übergangszeit vom Spät- zum Endneolithikum zu. Die Altgrabung erbrachte mehrere in den anstehenden Muschelkalk eingetiefte Grubenhäuser mit quadratischem bis rechteckigem Grundriss und Abmessungen von ca. 3–6 m (Spennemann 1984, 18–33). Die besten und nächstgelegenen Vergleiche liegen vom etwa 80 km entfernten, ebenfalls schon 1911–29 ausgegrabenen Goldberg im Nördlinger Ries vor, ähnliche Hausbefunde sind aber auch von anderen spät- und endneolithischen Fundorten bekannt. Auch das Keramikmaterial aus Burgerroth zeigt enge Verwandtschaft mit der Goldberg III-Gruppe, daneben aber auch Verbindungen zur Bernburger Kultur. Burgerroth stellt damit ein wichtiges kulturelles Bindeglied zwischen Süd- und Mitteldeutschland dar.

    Prospektionen 2012-13

    Im Winter 2012-2013 führte der Würzburger Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie Magnetometerprospektionen auf dem "Alten Berg" bei Burgerroth durch. Wichtigste Ergebnisse sind, neben Hinweisen zum Verlauf des 1969 angeschnittenen neolithischen Grabens, die Entdeckung einer weiteren, größeren Grabenanlage und zahlreicher quadratischer Anomalien, die als Grubenhäuser gedeutet werden.

    Sondagegrabung 2013

    Im Spätsommer 2013 wurden zwei der quadratischen magnetischen Anomalien sondiert. Die Deutung als Grubenhäuser und die spätneolithische Zeitstellung konnten bestätigt werden. Beide Hausbefunde erbrachten sehr reichhaltiges Fundmaterial, wobei besonders die große Anzahl und gute Erhaltung von Knochengeräten hervorzuheben ist.

    Grabung 2014

    Im September 2014 wurde das Grabenwerk sondiert. Die Untersuchungsfläche liegt in einem Bereich, in dem sich mehrere Gräben überlagern. Es gelang der Nachweis der spätneolithischen Zeitstellung der Grabenanlage und mehrerer, bis in die Eisenzeit reichender Verfüllungsphasen. Ein quer im Graben liegendes Skelett datiert in die Frühlatènezeit.

    Literatur

    G. Menth, St. Kunigund auf dem Altenberg. Aub, Ortsteil Burgerroth, Kirchenstiftung Buch (Wolfratshausen 1985).

    D. R. Spennemann, Burgerroth. Eine spätneolithische Höhensiedlung in Unterfranken. BAR Internat. ser. 219 (Oxford 1984).

    Ansprechpartner:

    Dr. Thomas Link
    Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
    Institut für Altertumswissenschaften
    Julius-Maximilians-Universität Würzburg
    Residenzplatz 2, Tor A
    D-97070 Würzburg
    Tel. 0931/31-82869
    thomas.link(at)uni-wuerzburg.de

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