Intern
    Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie

    Pilotprojekt

    Die urnenfelderzeitliche Höhensiedlung auf dem Hohenberg bei Annweiler, Rheinland-Pfalz

    Aufgrund eines warm-trockenen Klimas, fruchtbarer Lössböden und hervorragender Wegeverbindungen stellt die Pfalz im nordwestlichen Oberrheingraben einen ausgesprochenen Siedlungsgunstraum dar. Mit den Höhensiedlungen Heidenmauer und Limburg bei Bad Dürkheim (Vorderpfalz) sowie dem spätkeltischen Oppidum auf dem Donnersberg (Nordpfalz) sind befestigte Zentralorte der Eisenzeit in vielen Details gefasst. Dagegen fehlten bisher Belege für befestigte Höhensiedlungen der vorangegangenen Spätbronzezeit in der Pfalz. Eine hohe Dichte bronzezeitlicher Fundplätze zwischen Pfälzerwald und Rheinlauf mit spektakulären Funden – wie dem Goldhut von Schifferstadt, den Bronzerädern von Hassloch und den Flussfunden von Bobenheim-Roxheim – ließen jedoch erwarten, dass das vermeintliche Fehlen von Höhensiedlungen eine Forschungslücke darstellt. Tatsächlich gelang es mit den Entdeckungen auf dem Hohenberg, am Rande des Pfälzerwaldes im Jahr 2014 erstmals, eine befestigte Höhensiedlung der Urnenfelderzeit in der Südpfalz nachzuweisen

     

    Abb. 1 Lage des Hohenberg bei Annweiler, Lkr. Südliche Weinstrasse, Rheinland-Pfalz.

    Topographie

    Für die Errichtung der Höhensiedlung auf dem weithin sichtbaren Hohenberg war zweifellos dessen verkehrsgünstige Lage am östlichen Ausgang des Bachtals der Queich ausschlaggebend (Abb. 1). Der bereits seit dem Mesolithikum genutzte natürliche Verbindungsweg vom Rheintal an die Saar ist bis heute eine wichtige Transitstrecke (Bundesstraße 10) durch den Pfälzerwald. Der sich etwa 400 m über die Rheinebene erstreckende Hohenberg mit allseitigen Steilhänge verfügte dabei über eine ausgeprägte natürliche Schutzfunktion. Da die Bergkuppe nach der Spätbronzezeit offenkundig nicht wieder besiedelt wurde, sind die bronzezeitlichen Ringbefestigungen hervorragend im Gelände erhalten und einer archäologischen Erforschung unmittelbar zugänglich.

    Östlich des Bergfußes erstrecken sich mächtige Lössriedel mit fruchtbaren Böden bis zur Rheinniederung. Auf ihnen liegen in großer Zahl spätbronzezeitliche Talsiedlungen, die in einer noch unbekannten Beziehung zur Höhensiedlung standen (Abb. 2).

     

    Abb. 2 Lage der Höhensiedlung auf dem Hohenberg und urnenfelderzeitlicher Siedlungsplätze auf den Lössriedeln in der Kleinlandschaft um Landau in der Pfalz (Kartierung: GDKE; Kartengrundlage: LVermGeo RLP).

    Forschungen

    Zentrale Themen des Pilotprojektes sind zum einen erste archäologische Untersuchungen an der neuentdeckten Höhensiedlung auf dem Hohenberg und auf weiteren potenziellen Höhensiedlungen am Ausgang des Queichtals (Kleiner Hohenberg, Orensberg), zum anderen die Stellung der Höhensiedlung im Siedlungsgefüge der angrenzenden spätbronzezeitlichen Siedlungskammer.

    Abb. 3. Digitales Geländemodell vom Hohenberg mit den Ringwällen und den Flächen der Magnetometerprospektion 2016 (ALS: LVermGeo RLP, Karl-Heinz Gertlof; Magnetometerprospektion: Uni Würzburg, Nils Ostermeier).

    Am Hohenberg hat ein jüngst durchgeführtes Airborne Laser Scanning (ALS) die entscheidenden Aufschlüsse geliefert. Das daraus erstellte digitale Geländemodell (DGM) zeigt terrassenartige Ringwälle auf dem recht steilen Oberhang des Gipfelplateaus, die eine Siedlungsfläche von etwa 2 ha einschließen (Abb. 3). Flache Wälle waren erstmals 2014 bei Begehungen erkannt geworden, doch konnte ihr Gesamtverlauf in dem unzugänglichen Terrain erst im DGM erschlossen werden. So lassen sich im nördlichen Gipfelbereich, an den Bergflanken ein doppelter Ringwall und weitere Hangterrassierungen lokalisieren.

    Die im März 2016 von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), Außenstelle Speyer in Kooperation mit dem Würzburger Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie durchgeführte Magnetometer-Prospektion hat weitere Aufschlüsse geliefert. Auf drei Messflächen konnte im Bereich der künstlichen Hangterrassen der Versturz von Steinmauern belegt werden. An der Nordspitze des Ringwalls, die durch einen Geländesattel mit dem Kleinen Hohenberg verbunden ist, deutet der Befund im Magnetogramm auf eine Toranlage (Abb. 3).

    Abb. 4 Hohenberg. Grabungsschnitt der GDKE im Bereich der beiden Ringwälle 2016 (Foto: Marc Bentz).
    Abb. 5 Hohenberg – Wallschnitt. Durchführung des 3D-scannings (Foto: Marc Bentz).


    Bereits 2015 hatten ehrenamtlichen Mitarbeitern der GDKE unter Leitung von Jochen Braselmann einen 34 m langen Sondierungsschnitt durch den östlichen Doppelwall angelegt, der einen ersten Aufschluss der Hangterrassierungen bot. Im September / Oktober 2016 wurde der Schnitt von der GDKE, Außenstelle Speyer zu Ende gegraben und mit moderner Technik dokumentiert (Abb. 4.). Diese umfasst eine fotogrammetrische Aufnahme und eine weitere hochauflösende digitale Dokumentation mittels 3D-Scanner, die von der Firma Schaufert Archäologie Service durchgeführt wurde (Abb. 5).

    Ergebnisse

    Die erste Sichtung des Fundmaterials und der Profildokumentation lässt einige vorläufige Eindrücke vom Aufbau der Befestigung zu. Hiernach waren zwei etwa parallel angelegte Hangterrassierungen an ihren Außenkanten mit Steinmauern befestigt. Eine horizontale Brandablagerung auf der unteren Terrasse mit zahlreichen Siedlungsfunden deutet darauf hin, dass entlang der Innenseite der Mauer die einige Meter breite Hangterrasse mit einer Gebäudezeile bestanden war.

    Abb. 6 Hohenberg. Ausgewählte Keramikfunde der Urnenfelderzeit aus dem Wallschnitt der GDKE (Dokumentation: Marc Bentz).


    Das Fundmaterial (Abb. 6) deutet auf eine Errichtung beider Ringbefestigungen innerhalb der jüngeren Urnenfelderzeit (Ha B1).

    Falls sich der gewonnene Eindruck durch die weiteren Forschungen und Auswertungen bestätigt, hätten wir einen neuartigen Typus von urnenfelderzeitlichen Höhensiedlungen vorliegen. In diesem Falle wären in steiler Hanglage ringförmige Terrassen angelegt worden, die sowohl eine Befestigungsmauer als auch eine lineare Wohnbebauung trugen. Da die Terrassen heute teils von mächtigem Hangschutt bedeckt sind, dürften unter dem Versturz urnenfelderzeitliche Siedlungsbefunde in ungewöhnlich gutem Erhaltungszustand überliefert sein.

    Perspektive

    Künftige Flächengrabungen sowie gezielte Mikrosondagen im Siedlungsbereich sollen Befestigungsweise und Bebauungsstruktur sowie die feinchronologische Siedlungsabfolge und wirtschaftliche Funktion der Höhensiedlung auf dem Hohenberg klären.

    Darüber hinaus soll das chronologische, wirtschaftliche und sozio-politische Verhältnis der schwer zugänglichen und deshalb aufwendig zu versorgenden Höhensiedlung zu den Talsiedlungen untersucht werden. Hierzu ist es notwendig, auch die Dorfsiedlungen in der Kleinlandschaft um Landau in der Pfalz hinsichtlich ihrer Zeitstellung, Siedlungsstruktur und ihrer ökonomisch-funktionalen Ausrichtung zu erforschen. Die Auswertung der kontemporären Gräber verspricht Hinweise auf eine hierarchische oder segmentäre sozio-politische Organisation der Siedlungskammer.

    Untersuchungen dieser Art mit ganzheitlichem kulturgeschichtlichem Ansatz können nur unter Zuhilfenahme eines breiten Methodenspektrums verwirklicht werden. Neben modernen archäologischen Methoden und Techniken der Feldforschung und Fundauswertung sollen naturwissenschaftliche Disziplinen intensiv einbezogen werden wie Archäozoologie, Archäobotanik und Pollenanalyse, Radiokarbon-/Dendrodatierung, Bodenkunde, mineralogische, keramologische und archäometallurgische Studien.

    Text: Marc Bentz

    Projektverantwortlich

    Prof. Dr. Frank Falkenstein, Nils Ostermeier M.A., Marc Bentz M.A.

    Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
    Institut für Altertumswissenschaften
    Julius-Maximilians-Universität Würzburg
    Residenzplatz 2
    97070 Würzburg

    frank.falkenstein@uni-wuerzburg.de
    nils.ostermeier@uni-wuerzburg.de

    Dr. Ulrich Himmelmann, Marc Bentz M.A.

    Direktion Landesarchäologie
    Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz
    Kleine Pfaffengasse 10
    67346 Speyer

    ulrich.himmelmann@gdke.rlp.de
    marc.bentz@gdke.rlp.de

    Kooperationspartner

    Dr. Christoph Herbig, Archäobotanik
    Christoph Schaufert M.A., Schaufert Archäologie Service
    Dr. Ronny Friedrich, Klaus-Tschira-Archäometrie-Zentrum

    Förderer

    Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz
    Forschungsfond der Philosophischen Fakultät der JMU Würzburg
    Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der JMU Würzburg

    Literatur

    M. Bentz, J. Braselmann, Eliten, Kult, und Krieg am Ende der Bronzezeit. Archäologie in Deutschland 2015,4, 60–61.

    M. Bentz, Der Hohenberg - eine außergewöhnliche spätbronzezeitliche Höhensiedlung im Süden der Pfalz. In: GDKE (Hrsg.), vorZeiten. 70 Jahre Landesarchäologie Rheinland-Pfalz (Regensburg 2017) 140-147.

    Kontakt

    Lehrstuhl für vor- und frühgeschichtliche Archäologie
    Residenzplatz 2, Tor A
    97070 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-82801
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